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1950er

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MfS-Fotografien und operative Bildlichkeit. Das visuelle System der Staatssicherheit (1950-1989) (2026)
Trivellato, Clara
Das Forschungsprojekt „MfS-Fotografien und operative Bildlichkeit“ untersucht den Einsatz von Fotografien durch das Ministerium für Staatssicherheit und zeigt, wie diese für Überwachung, Dokumentation und Ermittlungen genutzt wurden. Dabei wird erklärt, welche Bedeutung Fotografien für die Arbeit der Staatssicherheit hatten.
SPUR. Eine Quellensammlung "negativ-dekadenter" Sub- und Jugendkulturen im Archiv der Jugendkulturen (2026)
Trotz der Breite der internationalen Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen (AdJ) finden sich kaum Fanzines aus der DDR, da der SED-Staat szene-eigene Ausdrucksformen massiv unterdrückte. Mitglieder sogenannter negativ-dekadenter Szenen – ob nun Punks, Skinheads oder Gothics – nutzten daher immer wieder Fanzines aus dem Westen als Sprachrohr. Später kamen Fanzines und Zeitschriften hinzu, die in der DDR in ihren finalen Jahren sowie in der Nachwendezeit entstanden sind. In der ersten Phase des Projekts SPUR wurden rund 500 solcher »Spuren« jugend- und subkultureller Szenen aus der DDR in der archiveigenen Sammlung ausfindig gemacht, zusammengetragen und in einer Bibliografie zusammengestellt. Die Materialien dienten in der zweiten Projektphase als Basis für die vorliegende kommentierte Quellenedition. Diese spannt den Bogen von den 1970er Jahren bis hinein in die Transformationsphase nach dem Mauerfall (1989-1995) und ermöglicht erstmals einen ungefilterten Einblick in die zeitgenössische Selbstwahrnehmung der Beteiligten. Sie schließt zudem eine wesentliche Lücke in der historischen Aufarbeitung der Jugend- und Subkulturen in der DDR. Während bisher, abgesehen von wenigen Quellen aus den Archiven der DDR-Opposition, vor allem die Akten des Stasi-Unterlagen-Archivs und retrospektive Erinnerungen der Beteiligten die Forschung dominierten, rückt diese Edition die zeitgenössischen Stimmen der Akteur:innen in den Fokus. Es wird nicht nur deutlich, wie die Protagonist:innen ihre Situation damals empfanden, sondern auch, wie sie in einem repressiven System sowie in der konfliktreichen Nachwendezeit ihre eigenen Räume gestalteten.
Die Überwachenden. Rezension: Philipp Springer, Die Hauptamtlichen. Fotografische Einblicke und biografische Skizzen aus den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (2026)
Trivellato, Clara
Clara Trivellato bespricht in ihrer Rezension Phillip Springers Buch "Die Hauptamtlichen", das anhand bislang wenig bekannter Fotografien und biografischer Skizzen Einblicke in den Alltag der hauptamtlichen Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit vermittelt.
Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich 1951-1971 (2026)
Müller-Zetzsche, Marie
Zeitschriften wie Nation Europa und Défense de l`Occident tradierten nach 1945 die alte rechtsradikale Ideologie. Rechtsradikale Ideologie verschwand nach 1945 nicht, sondern suchte sich neue Ausdrucksformen. In der Bundesrepublik und in Frankreich spielten dabei die rechtsradikalen Zeitschriften »Nation Europa« und »Défense de l'Occident« eine zentrale Rolle. Sie bewahrten faschistische und nationalsozialistische Denkmuster und arbeiteten an neuen Begriffen, »Rasse« wurde etwa zu »Kultur«. Sie entwarfen mit dem »europäischen Nationalismus« ein ideologisches Dach für unterschiedliche Strömungen. Marie Müller-Zetzsche rekonstruiert die intellektuelle Vorgeschichte der »Neuen Rechten« in der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Sie zeigt, wie ein Netzwerk von »politischen Schriftstellern« über Jahrzehnte hinweg ideologische Kontinuitäten schuf, Narrative bewahrte und Diskursräume öffnete, die für spätere rechte Bewegungen anschlussfähig wurden. Dabei steht nicht nur die inhaltliche Tradierung im Fokus, sondern auch die publizistische Strategie: Wiederholung, scheinbarer Pluralismus, Kampf um Begriffe, Übersetzung und nicht zuletzt transnationale Vernetzung.
Versuche zur Sammlung. Der „Allgemeine Kongreß nationaler deutscher Jugendverbände“ in Köln 1955 (2026)
Botsch, Gideon
Mitte der 1950er-Jahre schließen sich verschiedene rechtsextreme und völkische Jugendgruppen aus Deutschland und Österreich zum Kameradschaftsring Nationaler Jugendverbände (KNJ) zusammen, um gemeinsam eine größere Wirkung zu entfalten. Kommentar zur Quelle: Quelle: Vorbereitungsausschuß für die Gründung eines Dachverbandes nat[ionaler] Jugendverbände: An alle nationalen Jugendverbände und -Gruppen, Köln Lindenthal, 14. Dezember 1954, Archiv der deutschen Jugendbewegung Burg Ludwigstein (AdJB), Sammlung „Junge Bünde“, Nr. 22.
Europa-Enthusiasmus in rechtsradikal: Maurice Bardèches Der Weg nach vorn (2026)
Müller-Zetzsche, Marie
Das ideologisch prägende nationalistische Programm der Europäischen Sozialen Bewegung in der Fassung von Maurice Bardèche erscheint im Verlag von Karl-Heinz Priester. Hinter der Übersetzung steht ein international-publizistisches Netzwerk ehemaliger Nationalsozialisten und Faschisten. Kommentar zur Quelle: Quelle: Maurice Bardèche, Der Weg nach vorn, Göttingen: Plesse Verlag, 1952, Auszüge: S. 9–10 und S. 89–111.
Eine rechte Verschwörung und ihre publizistische Leugnung: Unrecht im Rechtsstaat von Friedrich Grimm (2026)
Rigoll, Dominik
Britisches Eingreifen zerschlug 1953 ein konspiratives Netzwerk, das eine nationalistische Sammlungspartei schaffen wollte. Grimm leugnet in seiner Schrift, dass es eine solche Verschwörung, an der er selbst teilhatte, je gegeben habe. Kommentar zur Quelle: Quelle: Friedrich Grimm, Unrecht im Rechtsstaat. Tatsachen und Dokumente zur politischen Justiz dargestellt am Fall Naumann, Tübingen: Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, 1957, Auszüge S. 9–16, 168–172 und 217–222.
Auflistungen von Fotografen, Redakteuren und Verlegern in der Bundesrepublik der 1950er Jahre. Materialien zum Artikel: Der „Stern“ und die Fotografie. NS-Kontinuität im (Bild-)Journalismus nach 1945? (2025)
Hartmann, Reiner
Um Vergleiche und Bewertungen von personellen Kontinuitäten im Bildjournalismus der Bildillustrierten „Stern“ im Beitrag von Reiner Hartmann „Der ‚Stern‘ und die Fotografie. NS-Kontinuität im (Bild-)Journalismus nach 1945“, erschienen am 3. Februar 2025 in Visual History, besser nachvollziehen zu können, werden hier mehrere aktuell (Stand: Januar 2025) in Bearbeitung befindliche Zusammenstellungen veröffentlicht. Weitere Bearbeitungsfortschritte sollen gegebenenfalls in unregelmäßigen Abständen zu einer Aktualisierung der Materialien führen. Es finden sich einerseits bisher schon bekannte Namen aus dem „Stern“, andererseits werden diese durch einen noch weiter zu erforschenden Personenkreis von Verlegern, Herausgebern, Redakteuren und Fotografen aus der damaligen zeitgenössischen illustrierten Presse ergänzt. Entsprechend der Frage, „Woher sollten die völlig unbelasteten Journalisten kommen?“, zeigen die Zusammenstellungen, dass die für den „Stern“ festgestellte personelle und inhaltliche NS-Kontinuität der (Bild-)Journalisten der 1950er Jahre im Verhältnis zu konkurrierenden Blättern keine Ausnahme bildete und zudem von stark wechselseitigen Fluktuationen geprägt war.
Sowjetische Perspektiven unzensiert. Über Wassili Grossmans Roman »Stalingrad« (2025)
Schwartz, Matthias
Wassili Grossmans Roman »Stalingrad« ist ein besonderes literarisches und historisches Dokument. Dem deutschen Lesepublikum eröffnet das Werk erstmals in einer für die Entstehungszeit erstaunlichen Vielstimmigkeit, Drastik und Breite Zugang zu sowjetischen Erfahrungshorizonten und Sichtweisen auf Stalingrad. Als Kontrastfolie zum Kult um die Schlacht in Putins Russland und zur nationalpatriotischen Instrumentalisierung des »Großen Vaterländischen Krieges« für den Krieg gegen die Ukraine hat der Roman außerdem eine unmittelbare Aktualität. Und nicht zuletzt handelt es sich hier um ein literarisches Zeugnis der jüdischen Geschichte.
Homosexuelle vor Gericht. Strafverfolgung in den 1950er- und 1960er-Jahren: Das Beispiel Frankfurt am Main (2025)
Zinn, Alexander
Die 1950er-Jahre werden oft als eine Zeit gesellschaftlicher »Restauration« betrachtet, in der Sexualität massiv unterdrückt worden sei. Als ein Beleg dafür wird die fortgesetzte polizeiliche und gerichtliche Verfolgung Homosexueller genannt, für die das »Dritte Reich« erst mit der Strafrechtsreform von 1969 ein Ende gefunden habe. Weniger Beachtung findet, dass sich viele Mediziner und Juristen schon in den frühen 1950er-Jahren für eine Reform des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches starkmachten, der homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnis bedrohte. Welche Auswirkungen die Reformdebatte auf die Praxis der Strafverfolgung hatte, wird in diesem Aufsatz anhand von 1.526 Urteilen untersucht, die Frankfurter Gerichte in den Jahren 1946 bis 1965 fällten. Dabei zeigt sich, dass die Gerichte die »einfache« Homosexualität unter Erwachsenen tendenziell immer milder beurteilten, während die »schweren« Fälle sogenannter »Jugendverführung« weiterhin streng verfolgt wurden. Dies spricht dafür, die 1950er- und 1960er-Jahre nicht nur als eine Zeit neuerlicher Repression zu betrachten, sondern auch als eine Phase des Umbruchs und der allmählichen Liberalisierung.
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