@article{Eckert2021, author = {Eckert, Andreas}, title = {Postkoloniale Zeitgeschichte?}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {17}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2108}, pages = {530 -- 543}, year = {2021}, abstract = {Im Fr{\"u}hjahr 2020 tauchten die Begriffe »Postkolonialismus«, »postkoloniale Theorie« und verwandte Kategorien mit ungewohnter Dichte in den deutschen Feuilletons auf, waren Gegenstand von Streitgespr{\"a}chen im Radio und aufgeregten Twitter-Kommentaren. Zentraler Anlass f{\"u}r die ambivalente Hausse des Postkolonialismus war die Erkl{\"a}rung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, der Kameruner Historiker Achille Mbembe sei wegen antisemitischer Positionen als Er{\"o}ffnungsredner der Ruhrtriennale »nicht geeignet«. Daraus entwickelte sich eine heftige und durchaus verwirrende Debatte, in der Klein und gleichgesinnte Mbembe-Kritiker*innen des Rassismus und McCarthyismus gescholten wurden, w{\"a}hrend andere anhand weniger Passagen aus Mbembes umfangreichem Werk nicht nur darauf insistierten, er sei Antisemit und »Israel-Hasser«, sondern zugleich die »postkoloniale Theorie« anprangerten, als deren wichtiger Vertreter Mbembe gilt. Irritierend daran war nicht allein der Gestus, mit dem beispielsweise so mancher Journalist auftrat, als sei er der erste, der Kritik am Postkolonialismus oder an Mbembe {\"u}be. Insgesamt fiel zudem auf, wie sehr die Debatte auf einer bestenfalls oberfl{\"a}chlichen Lekt{\"u}re relevanter Texte basierte. Dies galt zum Teil auch f{\"u}r jene, die etwa die Antisemitismusvorw{\"u}rfe gegen Mbembe vehement ablehnten. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, die in der {\"O}ffentlichkeit rasch zu einer der f{\"u}hrenden Verteidi­ger*innen Mbembes aufstieg, gestand zun{\"a}chst freim{\"u}tig ein, sie k{\"o}nne seiner Theorie eigentlich gar nicht so richtig folgen.}, language = {de} }