@article{Sabrow2008, author = {Sabrow, Martin}, title = {Die Lust an der Vergangenheit. Kommentar zu Aleida Assmann}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {4}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-1893}, pages = {386 -- 392}, year = {2008}, abstract = {Erinnerung ist die Pathosformel unserer Zeit. Sie ist eine der wichtigsten Orientierungsmarken f{\"u}r die kulturelle Selbstverst{\"a}ndigung in der westlichen Welt der Gegenwart, gleichviel, ob es um den Umgang mit der Vergangenheit des 20. Jahrhunderts geht oder um das Modell eines k{\"u}nftigen Europa. Parteiprogramme und Koalitionsvertr{\"a}ge kommen nicht mehr ohne geschichtspolitische Bekenntnisse aus; Gedenkst{\"a}ttenkonzeptionen sind ein wichtiger Aspekt politischen Handelns geworden; st{\"a}dtebauliche Grundsatzplanungen kreisen um die Aneignung der ‚historischen Mitte', und noch die {\"o}ffentliche Diskussion {\"u}ber den Umbau der Berliner Staatsoper vollzog sich 2008 in der ungleichen Auseinandersetzung zwischen Klang und Aura, bei der die historisierende Gestalt eines Baues von 1953 wie selbstverst{\"a}ndlich den Sieg {\"u}ber die k{\"u}nstlerische Funktionalit{\"a}t und architektonische Modernit{\"a}t eines Alternativentwurfs davontrug. Ungeachtet aller mit ungebrochener Selbstverst{\"a}ndlichkeit erwarteten Fortschritte in den Natur- und Lebenswissenschaften: In der sinnweltlichen Grundorientierung hat die Vergangenheitsvergewisserung des 21. Jahrhunderts die Zukunftsgewissheit des 20. Jahrhunderts in erstaunlichem Maße abgel{\"o}st, wie Hermann L{\"u}bbe in kulturkritischer Perspektive schon vor 25 Jahren diagnostizierte, als er die Kombination von „Traditionsgeltungsschwund" und „Zukunftsgewißheitsschwund" zur Ursache „kompensatorischer Konservierungsakte" erkl{\"a}rte.}, language = {de} }