@incollection{Telbizova-Sack2017, author = {Telbizova-Sack, Jordanka}, title = {Die Balkan-Muslime und Europa}, booktitle = {Europa im Ostblock. Vorstellungen und Diskurse (1945 - 1991)/Europe in the Eastern Bloc. Imaginations and Discourses (1945-1991)}, editor = {Faraldo, Jos{\´e} Mar{\´i}a and Gulińska-Jurgiel, Paulina and Domnitz, Christian}, publisher = {B{\"o}hlau}, address = {K{\"o}ln}, doi = {10.14765/zzf.dok.1.940}, series = {Zeithistorische Studien}, number = {44}, publisher = {Leibniz-Zentrum f{\"u}r Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) - Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam (ZZF)}, pages = {189 -- 198}, year = {2017}, abstract = {Ende des 20. Jahrhunderts lebten im Balkanraum - von Bosnien-Herzegowina, {\"u}ber Albanien, Kosovo, den Sandschak und Makedonien bis nach Thrakien und Bulgarien - zwischen 8 und 8,5 Millionen Muslime unterschiedlicher Sprache und Herkunft. Die gr{\"o}ßten Gruppen bildeten die auf sechs Staaten bzw. Teilrepubliken aufgeteilten Albaner (die mehrheitlich, aber nicht ausschließlich muslimisch waren), die bosnischen Muslime, die T{\"u}rken sowie die Roma und Sinti, gefolgt von den kleineren Gruppen der slawisch sprechenden Muslime in Bulgarien, Griechenland, Makedonien und Teilen Albaniens und Kosovos. Im Unterschied zu den muslimischen Bev{\"o}lkerungsgruppen in Westeuropa, die mehrheitlich erst w{\"a}hrend der letzten Jahrzehnte zugewandert sind, handelt es sich bei den Balkan-Muslimen um alteingesessene Bev{\"o}lkerungsgruppen. Zum gr{\"o}ßten Teil sind sie ein Erbe der osmanischen Herrschaft, einer Zeit, die in der Wahrnehmung der (West)Europ{\"a}er mit der politischen Hegemonie des Islam {\"u}ber die christliche Bev{\"o}lkerung, nicht selten auch mit „asiatischer Despotie" „R{\"u}ckst{\"a}ndigkeit" und „Bedrohung" assoziiert wurde. Auch die christlichen V{\"o}lker des ehemaligen osmanischen Balkans definierten seit dem 19. Jahrhundert ihre nationale und europ{\"a}ische Identit{\"a}t in Abgrenzung zum Islam und den orientalischen „T{\"u}rken". Sie wollten einen Platz in den „Reihen der zivilisierten europ{\"a}ischen Nationen" einnehmen und am Fortschritt teilhaben, welcher f{\"u}r sie gleichbedeutend mit „der Zugeh{\"o}rigkeit zu Europa" war. „Europa" stand stellvertretend f{\"u}r den „Westen". „R{\"u}ckkehr nach Europa" und „Verwestlichung" wurden abwechselnd zur Bezeichnung ein und desselben Ann{\"a}herungsprozesses. Die Muslime wurden hierbei als eine „Verunreinigung" bzw. als eine unerw{\"u}nschte Hinterlassenschaft wahrgenommen, sie galten als „uneurop{\"a}isch", „osmanisch" und „balkanisch". In der Politik der Balkanstaaten bedeuteten „Modernisierung" und „Europ{\"a}isierung" zugleich eine Entosmanisierung und Entislamisierung.}, language = {de} }