@incollection{Jessen2017, author = {Jessen, Ralph}, title = {Zwischen Bildungspathos und Spezialistentum. Werthaltungen und Identit{\"a}tskonstruktionen der Hochschullehrer in West- und Ostdeutschland nach 1945}, booktitle = {Eliten im Sozialismus. Beitr{\"a}ge zur Sozialgeschichte der DDR}, editor = {H{\"u}bner, Peter}, publisher = {B{\"o}hlau}, address = {K{\"o}ln}, doi = {10.14765/zzf.dok.1.931}, series = {Zeithistorische Studien}, number = {15}, publisher = {Leibniz-Zentrum f{\"u}r Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) - Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam (ZZF)}, pages = {361 -- 380}, year = {2017}, abstract = {Als „Elite der Eliten" sind die Hochschullehrer einmal bezeichnet worden - nat{\"u}rlich von einem Hochschullehrer - und wie so oft, wenn Professoren {\"u}ber den eigenen Beruf nachdenken, mischen sich auch in dieser pr{\"a}tenti{\"o}sen Formulierung Selbstverst{\"a}ndnis und Selbstbeschreibung. Die Geschichte der modernen Hochschullehrerschaft ist immer auch eine Geschichte ihrer Selbstinszenierung gewesen, in Deutschland wahrscheinlich mehr als anderswo, angefangen vom Humboldtschen Gr{\"u}ndungsmythos bis zu immer neuen Reflexionen {\"u}ber die „Idee der Universit{\"a}t". Normatives und Deskriptives sind da oft schwer zu trennen. Der Elitestatus der Hochschullehrer war und ist gewissermaßen doppelt begr{\"u}ndet: Auf der einen Seite strukturell und funktional. Als Universit{\"a}tslehrer vermittelten sie dem Nachwuchs der akademischen Berufe das fachliche Leistungswissen, als hervorragende Vertreter des Bildungsb{\"u}rgertums hatten sie an der Definition und Weitergabe eines fach{\"u}bergreifenden, die b{\"u}rgerlichen Schichten integrierenden „Bildungswissens" Anteil und als Angeh{\"o}rige der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft galten sie als Prototyp des innovativen Forschers. Sie repr{\"a}sentierten den Typus einer meritokratischen Leistungselite - wenn auch ihr Charakter als sozial exklusive Herkunftselite und vom Amtsprestige getragene Positionselite noch lange Zeit die offene Leistungskonkurrenz verzerrten. Auf der anderen Seite gr{\"u}ndete sich der Elitestatus der Professoren immer auch auf ihren Anspmch auf Kompetenzkompetenz, auf Definitionsautonomie {\"u}ber den eigenen Status. Diese Identit{\"a}tskonstruktionen kn{\"u}pften an ihre funktionale Stellung an, gingen aber {\"u}ber sie hinaus. Sie meldeten Anspr{\"u}che an, leisteten Sinnzuschreibungen, grenzten Zust{\"a}ndigkeitsr{\"a}ume ab. Ob man die Einheit der Wissenschaften oder disziplin{\"a}re Spezialisiemng betonte, welche Autonomieforderungen man an Staat und Gesellschaft richtete und welche eigenen Sinnstiftungsanspr{\"u}che man umgekehrt gegen{\"u}ber der Gesellschaft erhob, ob man Forschung, Lehre oder allgemeine Bildung ins Zentrum des Berufsverst{\"a}ndnisses r{\"u}ckte, ob man sich als Bewohner des Elfenbeinturmes, als B{\"u}rger oder als homo politicus verstand - all dies war Gegenstand eines andauernden Selbstverst{\"a}ndigungsdiskurses.}, language = {de} }